Sehr geehrtes Parlament- und Kabinettreferat,

nach mehreren Schreiben an das Luftfahrtamt der Bundeswehr wende ich mich nun als Landtagsabgeordneter der Stadt Trier im Namen der Triererinnen und Trierer an sie.

Trier liegt am Rand der militärischen Flugzone TRA LAUTER und obwohl wir nicht mitten in dieser Zone liegen leiden die Anwohner insbesondere der höher gelegenen Stadtteile Trier-Filsch, Trier-Irsch, Trier-Tarforst und Trier-Heiligkreuz unter dem massiven Fluglärm der überfliegenden Kampfjets.

Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, hat sich aufgrund des Fluglärms bereits eine Bürgerinitiative gegründet, die den militärischen Flugbetrieb dokumentiert.

Im Mai 2020 verzeichnet die Bürgerinitiative 14 Überschallknalle über Trier. Der Monat war somit einer der schlimmsten seit Beginn der Messungen vor ca. 4 Jahren. Trotz meines Hinweises an das Luftfahrtamt der Bundeswehr und der bitte auf Rücksichtnahme – angesichts des Lockdowns beispielsweise an Schulen in den zurückliegenden Monaten sowie der deutlichen Zunahme an Home-Office – kam es noch zu zahlreichen weiteren Überschallknallen durch die Kampfjets.
Die Argumentation des Luftfahrtamts, dass sich die Jets bei den Überschallknallen mindestens 8 km außerhalb Triers und in großer Höhe befanden, ändert nicht, dass ein solcher Knall über eine viel größere Distanz zu hören ist.

Ich bin der Auffassung, dass außer in absoluten Notsituationen diese Überschallknalle gar nicht über oder in der Nähe einer Großstadt wie Trier verursacht werden dürften, da es sich in jedem Fall (egal zu welcher Uhrzeit und in welcher Höhe) durch die schiere Lautstärke um eine unzumutbare Belastung für die Bevölkerung handelt.

Anwohner berichteten mir, dass sie mittlerweile Hemmungen haben, sich mit ihren Kindern (vor allem Kleinkinder) im Freien zu bewegen, wenn sie wissen, dass sich Eurofighter des taktischen Luftwaffengeschwaders 31 “Boelcke” aus Nörvenich im Luftraum über Ihnen befinden. Die Flugaktivitäten haben hier also direkten Einfluss auf die Lebensqualität von Familien und Kindern in Trier (und natürlich auch Saarland und RLP).

Die Argumentation des Luftfahrtamts, dass man sich auf Einsatz der Krisenbewältigung vorbereitet und Verteidigungsvorsorge gewährleistet, ist keine geeignete Begründung für die Konzentration der Flüge in der TRA LAUTER. Die Argumentation wird ebenfalls in der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der MdBs Markus Tressel und Tobias Lindner (Grüne) verwendet, welche Sie unter folgender Adresse finden:

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/195/1919536.pdf

Dort wird in der Antwort auf Frage 2 behauptet, dass im Jahr 2019 eine Gleichverteilung des militärischen Flugbetriebs auf die vier größten TRAs erreicht wurde. Dies trifft nicht zu. Wie Sie der angehängten Heatmap von Deutschland (Daten verfügbar seit April 2020) entnehmen können, findet die überwältigende Anzahl der Flüge in der TRA LAUTER statt, obwohl es zahlreiche weitere Übungslufträume in Deutschland gibt. 

Auch die Aussage der Bundesregierung in der Antwort auf Frage 7, dass im Jahr 2019 in der TRA LAUTER 673 Übungsflüge stattfanden, trifft nicht zu. Aufgrund der Radardaten der Bürgerinitiative ist ersichtlich, dass es mehr als 3000 Flüge pro Jahr in der TRA LAUTER sind. Bei 221 Nutzungstagen im Jahr 2019 (laut Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen) würde dies auch ansonsten drei Flügen pro Tag entsprechen. Da die Bürgerinitiative täglich mehrfach Flugaktivitäten von 10-20 Jets gleichzeitig misst, ist die Zahl irreführend. Hier werden mehrere Einzelflüge als ein einzelner “Flug” zusammengefasst. Dadurch ist die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Daten der verschiedenen TRAs nicht mehr gegeben, da die Aktivität in der TRA LAUTER unterrepräsentiert wird. Auflistungen der registrierten Flüge durch die Bürgerinitiative finden sie in den Tagesberichten auf www.bifluglaerm.de

In der Antwort auf die kleine Anfrage wird ebenfalls darauf verwiesen, dass das Ausweisen der Anzahl der summierten Flugstunden “unsachgerecht” wäre und zur “Fehlinterpretation des tatsächlichen Flugbetriebs” führe (Antwort auf Frage 8). Meines Erachtens ist das Gegenteil der Fall.

Die summierten Flugstunden aller einzelnen Flüge sind die maßgebliche Größe, denn sie stellen die tatsächliche Belastung für die Bevölkerung dar. Diese Flugstunden würden eindeutig die massive Konzentration der Flüge in der TRA LAUTER offenlegen und sehr wahrscheinlich ein ähnliches Bild wie die von der Bürgerinitiative erstellte Heatmap zeigen.

Aktuell ist es so, dass die Flüge immer mehr werden. Der Monat Mai war durch sehr viel Aktivität geprägt. In letzter Zeit kam es beispielsweise in Trier-Filsch an manchen Tagen zu mehr als 350 Überflügen (Messintervall 30 Sek., Radius 10 km). Dies entspricht im Prinzip einem Dauerdröhnen von mehr als 3 h am Tag. Dies ist für Familien insbesondere mit Kindern auf Dauer nicht zumutbar.

Hinzu kommen die in letzter Zeit vermehrten Tiefflüge (d. h. unter 600m) durch die Bundeswehr, wie z. B. am 19.5.2020 durch drei Tornados über Trier. Die entsprechende Flugspur eines der Jets finden Sie hier: http://fluglaerm.saarland/trace/?icao=3F5074&callsign=NITRO2&date=2020-05-19&stime=15:18&etime=16:23

Dies ist eine weitere Belastung, die der Bevölkerung in der TRA LAUTER nicht weiter zugemutet werden kann. Zusätzlich ergibt sich hier die Problematik, dass diese Flüge aufgrund ihrer niedrigen Höhe unter der TRA LAUTER stattfinden (diese beginnt erst ab 3000m) und somit gar nicht registriert werden und nicht in die Statistik eingehen.

Analog zu den Flügen wächst auch die Anzahl der Beschwerden aus der Bevölkerung. Dies geht aus der täglichen Flut an Emailbeschwerden, die neben meinem Postfach auch an das des Luftfahrtamts der Bundeswehr geschickt werden, hervor.

Die vom Bundesverteidigungsministerium zuletzt eingeführte Verkürzung des Betriebs an Freitagen (Ende des Betriebs bereits um 12 Uhr anstatt um 13 Uhr) ist meines Erachtens nicht weitgehend genug. Eine erste Besserung der Situation könnte erreicht werden, wenn die Flugzeiten von Montag bis Donnerstag auf 8 Uhr bis 12 Uhr sowie 14 Uhr bis 17 Uhr reduziert würden. Hiermit wäre die morgendliche und abendliche Ruhe gewährleistet sowie die Mittagsruhe für unsere älteren Mitmenschen und Kinder.

Ich bitte Sie im Namen der Bürgerinnen und Bürger Triers, sich intensiv mit der Belastung durch die TRA LAUTER auseinanderzusetzen und würde es begrüßen, wenn Sie sich für eine weitere Reduzierung der Flugzeiten einsetzen würden.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und freue mich auf Ihre Antwort.

Mit besten Grüßen

Sven Teuber
Trierer Landtagsabgeordneter

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